Die Superblocks sind in der Schweiz angekommen – zumindest ein wenig. Der in Barcelona entstandene Ansatz zur Verkehrsreduktion umfasst mehrere Strassenzüge, die vom Durchgangsverkehr befreit und den Menschen zurückgegeben werden. In der Schweiz laufen in verschiedenen Städten Versuche.
«Ohne der Evaluation des Kantons vorzugreifen, zeigen sich folgende Pluspunkte: weniger Verkehr, mehr Gemeinschaft, mehr Kultur, mehr spielende Kinder …» unterstreichen Susanne Bertschi und Freddy Siegenthaler vom Superblock im Quartier Matthäus.
Ende der Tests in Basel
Nach einem Jahr Testbetrieb mit mobilen Elementen sind die Superblocks nun aber (vorläufig) Geschichte. Die Regierung beharrte darauf, die Superblocks nach dem Test abzubauen und erst nach einer Evaluation zu entscheiden, ob sie wieder errichtet werden sollen. Weder eine Petition mit 3200 Unterschriften noch parlamentarische Interventionen konnten die Regierung von dieser unsinnigen (temporären) Zerstörung der gewachsenen Superblocks abbringen.
Für Susanne Bertschi und Freddy Siegenthaler beginnt danach der interessante Teil des Projekts: «Wie gestalten wir den definitiven Superblock – klimagerecht, nutzungsgerecht und ästhetisch? Statt sich wie im Test auf die Bespielung zu konzentrieren, sollten nun die Begrünung und die Entsiegelung der Strassen umgesetzt werden. Um klimagerecht und wohn- licher zu werden, muss Basel eine autofreie Schwammstadt werden.»
Vision der Basler Superblocks von Nico Holzer
Quartierblöcke in Zürich
In Zürich laufen die Superblocks unter dem Namen «Quartierblöcke». Nachdem die Stadtzürcher Stimmbevölkerung Ende November 2021 den kommunalen Richtplan Verkehr angenommen hat, wurde durch ein Postulat aus dem Gemeinderat die Prüfung von möglichen Standorten angeregt.
Nach zwei Echoraum-Veranstaltungen im Jahr 2024 wurden vier Gebiete als Pilotprojekte ausgewählt: Aussersihl, Unterstrass, Riesbach und Seebach.
In jedem Quartier wurden drei Mitwirkungsveranstaltungen durchgeführt, um lokales Wissen, Anliegen der Anwohnenden und Ideen zu sammeln. Dieses Material wandelte ein interdisziplinäres Team in sogenannte langfristige Zielbilder um. Zum Leidwesen der Anwohnenden allerdings nur in sehr abgeschwächter Form.
Laut Projektleitung liegt das daran, dass es sich um Pilotprojekte handle, bei denen keine dauerhaften Veränderungen umgesetzt werden können. «Ich sehe darin das Ziel eines Pilotprojektes verfehlt», sagt Silvan von Wartburg, der selbst im Quartier Aussersihl wohnt und direkt betroffen ist von unnötigem Durchgangsverkehr vor seiner Wohnung. Aus diesem Grund hat er auch an allen drei Mitwirkungsveranstaltungen teilgenommen und sich eingesetzt. «Aber die Massnahmen, die stattdessen umgesetzt beziehungsweise angekündigt wurden, sind eine Enttäuschung. So wurden etwa auf dem Pausenplatz des Wengi-Schulhauses Blumentöpfe angebracht, die zwar schön anzuschauen sind, jedoch nichts mit den geforderten verkehrlichen Massnahmen zu tun haben.»
Einen Superblock-Testlauf gibt es seit Sommer 2024 auch in Bern im Murifeld-Quartier. Bis Ende Jahr soll dieser ausgewertet werden.
