Nur sechs Prozent der vor zwölf Jahren angekündigten Produktionsanlagen für sogenannt nachhaltige Flugtreibstoffe (SAF) sind tatsächlich in Betrieb. Die Flugbranche setzt ihre gesamte Klimastrategie auf eine einzige Karte, die sich als Flop herausstellt.
Die SAF-Industrie gewinnt keineswegs in dem von der Fluglobby angekündigten Tempo an Fahrt. Im Gegenteil, wie eine Untersuchung von Reuters und ein aktueller Bericht von Shift Project und Aéro Décarbo zeigen. Es handelt sich aber nicht nur um einen verzögerten Start, sondern um ein strukturelles Problem.
Eine (fast) phantomhafte Industrie
Von den 165 SAF-Produktionsanlagen, die die Industrie vor zwölf Jahren angekündigt hatte, sind heute nur 36 in Betrieb. Und von diesen produzieren nur 10 im kommerziellen Massstab nachhaltigen Treibstoff – das entspricht kaum 6 Prozent der ursprünglich angekündigten Gesamtzahl. Der Rest? Aufgegebene, verzögerte Projekte, von denen man nichts mehr hört und die noch nie auch nur einen Tropfen Kraftstoff produziert haben.
Physikalische Grenzen
Selbst wenn die industrielle Produktion wie durch ein Wunder anlaufen würde, stösst sie an die Grenzen der physikalischen Ressourcen. Die Grössenordnungen sprechen für sich: Für einen Hin- und Rückflug von Paris nach Montreal ohne fossile Brennstoffe würde pro Passagier* in das Äquivalent von 370 Litern Altöl benötigt – das entspricht zwei Monaten Abfall aus einem Fastfood-Restaurant oder 8000 Kilowattstunden Strom, also den durchschnittlichen Jahresverbrauch von zwei Haushalten.
Der Ersatz des derzeitigen Kerosinverbrauchs durch synthetische Treibstoffe (e-SAF) würde etwa 10 000 Terawattstunden Strom erfordern: Das entspricht der gesamten Strommenge, die derzeit weltweit aus erneuerbaren Energiequellen produziert wird.
Nicht-CO2-Effekte
Und selbst dann, wenn es möglich wäre, genügend SAF zu produzieren, blieben die Nicht- CO₂-Effekte ungelöst: Russpartikel, Stickoxide, Wasserdampf und Kondensstreifen machen mehr als die Hälfte der Klimawirkung des Flugverkehrs aus. Nicht-CO₂-Emissionen sind relativ kurzlebig und nur Stunden bis Monate wirksam, zudem fallen beim Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen weniger Emissionen an. Durch den stetig wachsenden Flugverkehr summieren sie sich dennoch, ähnlich wie Wasser in einer Badewanne: Wenn der Zufluss den Ablauf übersteigt, läuft die Wanne irgendwann über. Mit zunehmendem Flugverkehr steigt somit auch die Klimaerhitzung durch Nicht-CO₂-Effekte.
Einzige Lösung: den Flugverkehr reduzieren
Das Fazit von Shift Project: Nachhaltige Treibstoffe allein werden niemals ausreichen, um den Flugverkehr zu dekarbonisieren. Wir müssen uns von der Illusion des «grünen» Fliegens verabschieden und Massnahmen ergreifen, um den Flugverkehr zu reduzieren. Genau das ist das Ziel unserer Mobilitätsbon-Initiative.
