Wie fördert das Auto die extreme Rechte – und wie hält die extreme Rechte im Gegenzug die Abhängigkeit vom Auto aufrecht? Das war das Thema der von actif-trafiC am 2. Dezember 2025 organisierten Veranstaltung mit dem Titel «Das Auto – ein Vehikel der extremen Rechten?».
Unser Gast Antoine Dubiau, Doktorand der Geografie an der Universität Genf, erinnerte zunächst daran, dass das Auto den öffentlichen Raum nicht «auf natürliche Weise» erobert hat, sondern sich durch politische Entscheidungen und massive öffentliche Investitionen durchgesetzt hat: Strassen, Autobahnen, Parkplätze, Stadtplanung. Das Raumplanungsmodell, das Wohn-, Arbeits- und Freizeitorte voneinander trennt, hat die Landschaft verändert und andere Verkehrsmittel an den Rand gedrängt. Seitdem ist das Auto vielerorts keine Wahl mehr, sondern eine Voraussetzung für das soziale Überleben. Die Abhängigkeit vom Auto wird gezielt organisiert und aufrechterhalten.
Hinzu kommt die symbolische Bedeutung: Das Auto wird mit Macht, Geschwindigkeit und der Beherrschung des Raums assoziiert. Diese Werte stehen in Verbindung mit einer bestimmten Vorstellung von Freiheit: einer individualistischen, wettbewerbsorientierten, oft männlichen Freiheit, bei der der öffentliche Raum eher als ein zu eroberndes Terrain denn als ein gemeinsames Gut angesehen wird, das geteilt werden muss.
Zementierung der «imperialen Lebensweise»
Genau diese Auffassung einer individualistischen Freiheit ist auch die Grundlage für reaktionäre Diskurse wie die Ablehnung des regulierenden Staats und generell kollektiver Regeln und ökologischer Normen. Für Antoine Dubiau ist das Auto sogar das Fundament der «imperialen Lebensweise», eines von den Soziologen Ulrich Brand und Markus Wissen entwickelten Konzepts. Demnach basiert der westliche Lebensstil darauf, menschliche und natürliche Ressourcen auf globaler Ebene auszubeuten. Die reichen Länder im Norden verfügen dadurch über viel Wohlstand und Komfort, während die Umweltverschmutzung und deren Folgen in den globalen Süden verlagert werden.
Die Verteidigung dieses Lebensstils steht im Mittelpunkt der Rhetorik der extremen Rechten. Sie lehnt jede Infragestellung unserer Konsum- und Produktionsweisen ab und lenkt die ökologische Frage auf eine einzige Variable, nämlich die Einwanderung. Die Initiative der SVP zur 10-Millionen-Schweiz ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür.
Der extremen Rechten keinen Raum lassen
Wie kann man also für eine Mobilitätswende einstehen, ohne den ländlichen Raum den reaktionären Kräften zu überlassen, die die Abhängigkeit vom Auto für identitäre Zwecke instrumentalisieren und die soziale Spaltung zwischen Stadt und Land ausnutzen? In einer Zeit, in der Agglomerationen und ländliche Gebiete weniger gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen werden, ist dies eine entscheidende Frage. Denn genau dort bietet sich ein fruchtbarer Boden für populistische Diskurse, die den Erhalt der (imperialen) Lebensweise versprechen.
Der Diskussionsabend legte den Grundstein für Überlegungen, die es verdienen, weiter vertieft zu werden. Fortsetzung folgt!
