Sie sind hier

umverkehR Fussverkehrs-Test in 8 Städten

Montag, 14. November 2016
Bernhard Piller

umverkehR wollte es genauer wissen: Wie viel Platz bleibt den FussgängerInnen in unseren Städten im täglichen Gerangel um genügend Raum? Oft wird in der verkehrspolitischen Debatte dem Fussverkehr zu wenig Gewicht beigemessen. Dies möchte umverkehR mit dem nun vorliegenden Fussverkehrs-Test ändern.

Um herauszufinden, wie fussgängerInnenfreundlich die Fusswege in unseren Städten sind, führte umverkehR im Sommerhalbjahr 2016 in den acht Deutschschweizer Städten Basel, Bern, Biel, Luzern, St. Gallen, Thun, Winterthur und Zürich einen Fussverkehrs-Test durch. Mit einem zusammen mit dem Verkehrsplaner Klaus Zweibrücken entwickelten, klar definierten umfangreichen Kriterienkatalog begingen wir in den acht Städten je eine beispielhafte Route und bewerteten die Netzelemente «Abschnitte», «Hauptstrassenquerungen», «Plätze» und «Haltestellen».

Zusammenfassend können folgende Hauptergebnisse festgehalten werden:

  • Gesamtsieger ist mit 72% erfüllten Anforderungen Zürich vor Basel mit 71,3% und Winterthur mit 69,1%.
  • Alle acht untersuchten Deutschschweizer Städte liegen in der Gesamtbewertung mit Werten zwischen 63% (Luzern) und 72% (Zürich) relativ nahe beieinander.
  • Alle Städte liegen in der Gesamtbewertung bei einem Gut (Zürich und Basel) oder einem Genügend (Winterthur, Bern, Biel, St. Gallen, Thun und Luzern), jedoch erhält keine Stadt ein Sehr gut.
  • Die Grösse der Stadt spielt eine gewisse Rolle. In der Tendenz schneidet eine grössere Stadt fussgängertechnisch besser ab als eine kleinere Stadt.
  • Bei der getrennten Auswertung der vier Netzelemente erreichte nur das Netzelement Hauptstrassenquerungen ein Gut, die anderen drei Elemente Strecken-Abschnitte, Plätze und Haltestellen nur ein Genügend.
  • Generell schnitten Plätze und Haltestellen leicht schlechter ab als Strecken-Abschnitte und Hauptstrassenquerungen. Dies führt uns zum Schluss, dass bei den Plätzen und Haltestellen ein besonderer Handlungsbedarf besteht.

Unser Fazit:
Die Situation der FussgängerInnen in den Deutschschweizer Städten ist generell als genügend bis gut zu bewerten. Insgesamt hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten einiges leicht verbessert. Wurden die Menschen während der verkehrspolitischen Planungs- und Bausündenzeit der 1960er- bis 1970er-Jahre mit düsteren und unsicheren FussgängerInnenunterführungen noch gedanken- und schonungslos unter den Boden versenkt, kehrte bei Städte- und VerkehrsplanerInnen seither viel Einsicht und Vernunft zurück. Aber es bleibt noch viel zu tun. Vielerorts trafen wir auf zu schmale Trottoirs. Nach wie vor werden Autos legal und illegal auf Trottoirs parkiert. Innenstadtplätze sind immer noch deutlich zu stark vom MIV besetzt, statt den Menschen als Aufenthaltsraum zu dienen. Und es tauchen auch neue Konflikte auf: Vor allem der häufig im Mischverkehr geführte Velo- und Fussverkehr führt zunehmend zu Konflikten zwischen FussgängerInnen und VelofahrerInnen.

Dieser Fussverkehrs-Test in den von uns untersuchten Städten war nur ein Anfang. Die Bewertungsblätter für die vier Netzelemente haben sich mit den von uns erprobten und gewählten Kategorien und Kriterien als äusserst robust und sehr gut anwendbar erwiesen. Sie lassen sich auf jeder beliebigen Fussverkehrsroute in jeder Stadt gut anwenden. umverkehR bleibt an diesem Thema dran, und wir werden den Fussverkehrs-Test ausweiten.
Den ausführlichen Bericht mit sämtlichen detaillierten Auswertungen finden Sie unter www.umverkehr.ch

Für weitere Informationen:
Bernhard Piller, Geschäftsleiter umverkehR
079 823 64 93