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Der Abbau bei den Nachtzügen geht weiter

Freitag, 7. Oktober 2016
Bernhard Piller

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben heute endlich kommuniziert, welche Nachtzugverbindungen sie von der Deutschen Bahn (DB) übernehmen wollen. Es findet nun ab Dezember 2016 ein weiterer Abbau der umwelt- und klimafreundlichen Nachtzugverbindungen von der Schweiz Richtung Norden statt. umverkehR kritisiert diesen deutlichen Abbau und die damit verbundene weitere Einschränkung der freien Verkehrsmittelwahl.

Bis vor zehn Jahren konnte man von Zürich im Schlaf- oder Liegewagen noch nach Rom und Barcelona, von Basel nach Kopenhagen oder Moskau und von Bern nach Brüssel fahren. Nun werden ab dem Fahrplanwechsel im Dezember definitiv auch die Verbindungen Zürich–Amsterdam und Zürich–Prag via Dresden ersatzlos gestrichen.

Die ÖBB bieten ab Dezember 2016 nur eine einzige Nachtzugverbindung zwischen der Schweiz und Deutschland an. Die bisher getrennt geführten Züge Zürich–Berlin und Zürich–Hamburg werden zu einem zusammengefasst. Es findet somit eine Halbierung des Angebots zwischen diesen Städten statt. Man braucht kein Prophet zu sein: Wer in Zukunft spontan von Zürich nach Berlin oder Hamburg reisen will, wird es schwer haben, einen Schlafwagenplatz zu ergattern. Schon heute sind diese beiden Nachtzüge allzu oft sehr gut gebucht oder sogar früh ausgebucht. Die Nachfrage nach Nachtzugverbindungen ist nach wie vor hoch.

Passend zu dieser unbefriedigenden Meldung der ÖBB ist die Mitteilung der Swiss vom 4. Oktober, ab diesem Winter ihre Flugverbindungen zwischen Zürich und Hamburg sowie Zürich und Berlin auszubauen. Hier geschieht nun genau das, was zu befürchten war: Ein Abbau der Zugverbindungen geht mit einem Ausbau der Flugverbindungen einher. Mehr Hektik statt Entschleunigung. Mehr Klimaschaden statt Klimaschutz. Mehr statt weniger Fluglärm in Zürichs Norden.

Nachtzugreisen ist nicht nur Nostalgie, Nachtzugreisen ist die Alternative zum klimaschädlichen Flugverkehr – und Nachtzugreisen bietet darüber hinaus eine Reihe von unschlagbaren Vorteilen: Ein Hotel auf Rädern spart Zeit durch das Reisen im Schlaf. Dank früher Ankunft und später Abfahrt können Geschäftsreisende Termine in Tagesrandlagen wahrnehmen. Städtereisende profitieren von verlängerten Aufenthaltszeiten. Gleichzeitig können zum Teil auch Kosten reduziert werden, indem weniger Hotelübernachtungen benötigt werden.

Es ist zu hoffen, dass andere potenzielle Anbieter die entstehende Nische erkennen und bald in diese Bresche springen. Nachtzugverbindungen müssen kein Verlustgeschäft sein, wie dies die DB behauptet. Nachtzugreisende schätzen genau das Angebot, komfortabel zu reisen, im Speisewagen gemütlich zu Abend zu essen und anschliessend im Schlafwagen geruhsam ans Ziel in eine andere Stadt geschaukelt zu werden.

umverkehR wird sich auch weiterhin zusammen mit seinen Partnerorganisationen in der Schweiz und der Nachtzugallianz «Back on Track» in Europa für attraktive Nachtzugverbindungen einsetzen.

Für weitere Auskünfte
Bernhard Piller, Geschäftsleiter umverkehR
079 823 64 93