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Fragen & Antworten zur Mobilitätsinitiative in St. Gallen

Silas Hobi

Gibt es noch Fragen zur schädlichen Mobilitätsinitiative? Folgende Antworten auf gängige Argumgente und Fragen räumen die letzten Zweifel aus dem Weg, um am 4. März Nein zu stimmen...

«Das heutige Reglement ist untauglich, die kommenden Herausforderungen im Mobilitätsbereich zu lösen. Neue Formen des Individualverkehrs (vor allem Elektromobilität) ermöglichen intelligentere Gesamtlösungen.»

«Im Gegenteil: Globale Trends wie Shared Mobility oder selbstfahrende Fahrzeuge haben das Potential die heutige Mobilität mit einem Bruchteil der Fahrzeuge abzuwickeln. Es braucht aber geeignete Rahmenbedingungen - wie das aktuelle Reglement - um das Potential abzuschöpfen. Elektroautos haben zwar kaum lokale Schadstoffemissionen und sind deutlich energieeffizienter, die Bereitstellung genügend erneuerbarer Energie stellt aber eine grosse Herausforderung dar. Ausserdem brauchen Sie ebenfalls viel Platz, stehen im Stau und stellen eine Gefahr für den Fuss- und Veloverkehr dar.»

«Nur wenn alle Verkehrsträger aufeinander abgestimmt werden, kann die Erreichbarkeit der Innenstadt gesichert werden.»

«Die Verkehrsträger werden schon heute aufeinander abgestimmt und die Erreichbarkeit der Innenstadt ist bereits gewährleistet durch eine Kombination von MIV, ÖV, Fuss- und Veloverkehr. Im Gegenteil wird die Erreichbarkeit gerade durch die Mobilitätsinitiative gefährdet, denn die gewünschte Zunahme des MIV überlastet die Innenstadt und führt zu einem Verkehrskollaps. Dies führt dazu, dass weder Autos noch Busse vom Fleck kommen, da sie im Stau stecken.»

«Ich steh ja schon ständig im Stau, da sollte doch mal was gehen, wird das nicht besser gelöst mit dieser Initiative?»

«Es stimmt, dass es auch heute schon Stau gibt in der Stadt, dieses Problem wird aber mit der Mobilitätsinitiative noch verschlimmert statt verbessert. Wenn der motorisierte Individualverkehr (MIV) in der Stadt wieder zunehmen darf, werden noch mehr Autos auf den Strassen fahren, was zu noch mehr Verkehr und Stau führt. Wer Stau vermeiden will, muss konsequent auf den ÖV, Fuss- und Veloverkehr setzen. Konkret vermeidet ein gefüllter Bus mit 80 Plätzen knapp 500 Meter Stau.»

«Gegen den Stau hilft nur eines: Neue Strassen bauen»

«Kurzfristig mögen neue Strassen eine Entlastung des Verkehrs bewirken. Aber gleichzeitig wird dadurch die Benutzung des MIV wieder attraktiver, mehr Leute benutzen das Auto und der Stau beginnt von neuem. Ausserdem ist der Platz in der Stadt ein beschränktes Gut, es können nicht ewig neue Strassen gebaut werden und gleichzeitig verschwindet dadurch Raum zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Längerfristig und nachhaltig sinnvoll sind nur der konsequente Ausbau und die Förderung des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs.»

Wollen Sie pro sieben Jahre zehn Prozent mehr Verkehr in der Stadt St.Gallen?

«2010 wurde das nachhaltige Verkehrskonzept von der Stimmbevölkerung mit 59% Ja-Stimmen angenommen. Seit damals bis 2016 nahm der Verkehr in der Stadt gesamthaft nur um 1% zu.»

Wollen Sie noch mehr Lebensraum der Stadt St.Gallen für Strassen opfern?

«Wenn die Stadt St.Gallen auch im Bereich des motorisierten Individualverkehrs wieder attraktivitätssteigernde Massnahmen umsetzten soll, so lässt sich dies nur mittels Strassenausbauten realisieren, welche zusätzlich zu den notwendigen Spurausbauten für den ÖV und Langsamverkehr oder zulasten dieser beiden ausgeführt werden. Der öffentliche Raum und somit auch der städtische Verkehrsraum sind jedoch begrenzt. Für jede neue Strasse verschwindet Raum zum Leben, Wohnen und Arbeiten.»

Wollen Sie eine kurzzeitige Entlastung des mobilen Individualverkehrs mit anschliessender Stauzunahme?

«Neue Strassen für den MIV mögen eventuell zu einer kurzzeitigen Attraktivitätssteigerung des Autos führen, welche aber zwangsläufig zu mehr Autoverkehr und somit erneut zu Stau führt. Dieses Problem ist eine unlösbare Zwickmühle, hinlänglich bekannt und empirisch belegt, denn es lassen sich nicht ewig neuen Strassen bauen, da der städtische öffentliche Raum begrenzt ist. (Gleichzeitig bleibt bei Stau auch der ÖV stecken und die ganze Stadt steht im Stillstand.) Die sinnvolle und nachhaltige Lösung ist die Nutzung des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs, denn er ist platzsparend, umweltschonend und schneller.»

Wollen Sie technologische Innovation hemmen und globale Trends verschlafen?

«Ein neuer hybrid Doppelgelenkbus der Schweizer Firma Karosserie Hess AG lighTram kann rund 200 Personen transportieren (ohne Gleis und teure Elektrooberleitung, aber leiser und deutlich effizienter als Dieselbusse) und vermeidet somit 1.2km Stau. Diese Busse können sofort für den Pendlerverkehr eingesetzt werden und würde den Verkehr massiv entlasten. Eine Modellierung des International Transport Forum der OECD hat für den Grossraum Lissabon herausgefunden, dass die gleiche Mobilität mit selbstfahrenden Kleinbussen mit rund 10% der Fahrzeuge abgewickelt werden kann. Die Marktdurchdringung wird in 15-20 Jahren Realität sein. Das heisst, die Mobilitätsinitiative möchte in überflüssige und massiv überdimensionierte Infrastruktur investieren. Bereits heute kann bspw. mit Carpooling die Kapazität gerade zu Spitzenzeiten massiv erhöht werden (im Pendlerverkehr sitzt in neun von zehn Autos nur eine Person), was Stau vermeidet und die Infrastruktur massiv entlastet. Dank Smartphone und neuen App's sind spontane Echtzeit-Mitfahrten möglich. Zweidrittel der Auto-Etappen sind kürzer als 10km und können problemlos durch E-Bikes ersetzt werden. Mit schnellen E-Bikes (45kmh) können Distanzen von 15km bequem zurückgelegt werden - mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit dank der Alltagsbewegung. E-Bikes sind ein Schweizer Exportschlager und verschiedene qualitativ hochstehende Marken werden in der Schweiz hergestellt.»

News

News Städte-Initiativen

Immer wieder und zunehmend häufig plant die Stadt Zürich Velomassnahmen auf Kosten der FussgängerInnen. In einer Stadt, die sowohl Velo- wie auch Fussverkehr fördern will – und gemäss Volkswillen auch muss –, geht das nicht.
Die Behindertenkonferenz des Kantons Zürich, der Fussgängerverein Zürich, der Verkehrsclub der Schweiz VCS, umverkehR und Pro Velo Kanton Zürich haben deshalb dem Stadtrat einen offenen Brief zu dieser Thematik geschickt:

Eine Stimme entschied: Der Stadtrat (Parlament) von Thun hat die Städte-Initiative mit 20 zu 19 Stimmen unterstützt. Jetzt muss der Gemeinderat (Regierung), wie in der Initiative vorgesehen, ein Reglement ausarbeiten, das Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr in Thun fördert. Auch in Thun erhält die zukunftsgerichtete Verkehrspolitik nun den nötigen Schub.