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Autos sind out! PDF Drucken E-Mail
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umverkehRen Nr. 71, Dezember 2006. Autos gehören nicht in die Stadt! Dies ist das Hauptergebnis unseres Wettbewerbs «Verkehrsbelastung im städtischen Raum» - mit fast 1400 Teilnehmern. Die Stauproblematik wurde konsequenterweise als untergeordnet betrachtet. Dafür wünschen sich viele einen attraktiveren ÖV, möchten mehr Fuss- und Veloverkehr und mehr autofreie Räume. Hanspeter Kunz

Die Idee, etwas für den Verkehr in der Stadt zu tun, wird bei umverkehR schon länger diskutiert. In den Städten und Agglomerationen ist einerseits das Verkehrsproblem am grössten. Andererseits ist es aber gerade hier problemlos möglich, einen guten Teil der Mobilität per ÖV, Velo oder zu Fuss abzuwickeln. ÖV weil viele Leute die gleichen Wege machen, Fuss und Velo weil die Distanzen meist recht klein sind.
Doch im stillen Kämmerlein kommt man schnell auf gute Ideen, die dann draussen, bei den Leuten keinen Bestand haben. Wir wollten es daher von Euch hören: Wo sind die Probleme im städtischen Verkehr, und was soll man dagegen tun? Wir entwarfen daher eine Umfrage, tarnten sie als Wettbewerb, und siehe da: fast 1400 Leuten nahmen teil. Diese freudige Überraschung sorgte dann ironischerweise zu Stauproblemen im Sekretariat.

Was sind die Probleme im städtischen Raum?
Die erste Frage lautete: «Wie gewichten Sie die folgenden Probleme im städtischen Raum?» (siehe erste Grafik). Eindeutiger «Sieger» ist die Luftverschmutzung, gefolgt vom Lärm. Am meisten stören also die unmittelbaren gesundheitlichen und ökologischen Folgen des Verkehrs. Auffallend ist auch, dass sich diesbezüglich die verschiedenen Regionen (entsprechen den verschieden grauen Balken) überraschend einig sind. Unmittelbar dahinter, auf dem dritten und vierten Platz, finden sich die zunehmende Verbauung und die fehlenden Freiräume. Haben wir etwa zu wenig Grün in der Stadt? Allerdings: In der Romandie scheint die Verbauung kein Problem zu sein, oder die Romands stören sich weniger daran. Überraschend für uns war, dass die Stauproblematik auf dem letzten Platz landete. Aber wahrscheinlich haben vor allem Nicht-Autofahrerinnen und ÖV-Benutzer den Wettbewerb ausgefüllt (da wir ihn vornehmlich an Fussgänger verteilt haben).
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Welche Massnahmen sollen ergriffen werden?
«Mit welchen Massnahmen kann der städtische Raum von den unerwünschten Folgen des Verkehrs geschützt werden?» Mit der zweiten Frage, wollten wir von den Leuten wissen, wie sie denn die Probleme am ehesten lösen würden (siehe zweite Grafik).
Die Schweiz ist sich einig, dass der ÖV, der Velo- und der Fussverkehr gefördert werden sollen. Auch die Förderung von autofreier Lebensweise und ein Stopp von neuen Hochleistungsstrassen wurde als sehr gute Ideen bewertet – ausser in der Romandie, wo diesbezüglich eine gewisse Skepsis zu herrschen scheint. Dieses Resultat kann aber auch daher rühren, dass in der Romandie der Wettbewerb breiter gestreut wurde und daher auch Leute ausserhalb unseres eigenen Lagers erreicht wurden. Diese Tendenz ist auch bei den «Strafmassnahmen» (Parkplatzbeschränkung und Road Pricing) zu beobachten, die aber auch in der Deutschschweiz weniger gut ankamen. Carsharing, also Services wie z.B. Mobility, erreichte eine noch schlechtere Note.
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Weitere Probleme oder andere Massnahmen?
Der Wettbewerb bot Gelegenheit, weitere Probleme und Massnahmen aufzuführen. Oft wurde die Forderung nach mehr Veloabstellplätze gestellt. Die IG Velo kann ein Lied dazu singen. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit der Verkehrsteilnehmer (und hier sind nicht nur die Autofahrer gemeint!), die auch wesentlich zur mangelnden Sicherheit des Fuss- und Veloverkehrs beitragen. Richtig erkannt wurde, dass Busse eine eigene Spur brauchen, da sie ja sonst mit den Autos im Stau stecken, und auch die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrsachsen wurde angesprochen. Die Mobilität des einen erschwert eben die Mobilität der anderen.
Auch auf der Massnahmenseite kamen auch sehr viele Ideen, unter anderem sollte umweltfreundliches Mobilitätsverhalten belohnt werden, z.B. mit Umweltabos, was den ÖV für regelmässige Benutzerinnen günstiger machen würde. Im Gegenzug wurde auch vorgeschlagen, dass alle Parkplätze kostenpflichtig sein sollten und bei Falschparkieren rigoros durchgegriffen werden müsse – bis zu Ausweisentzug. Richtig so! Sehr oft wurde auch vorgeschlagen, Benzin und Diesel zu verbieten und nur noch mit erneuerbaren Energien zu fahren. Das würde zwar den Verkehr klimaneutral machen (die Luftqualität wäre sicher auch besser), aber alle anderen Probleme wie Lärm, wenig Freiräume, Stau usw. würden bleiben.

Visionen!
Eine Vision tauchte in verschiedenen Variationen sehr häufig auf: autofreie Städte, Quartiere, Plätze, Strassen – ein echtes Bedürfnis und die richtige Lösung. Es ist ein positives Fazit des Wettbewerbs, wie viele Leute finden, dass privater Autoverkehr in der Stadt nichts zu suchen hat. Dadurch erklärt sich wohl auch, wieso Carsharing schlechter wegkam. Auch dass die Staus nicht wirklich als Problem empfunden werden, lässt sich vielleicht darauf zurückführen, dass es ohne Autos gar nicht erst zu Staus kommt.
Eine lustige Vision, die häufig genannte wurde: Der Autoverkehr soll nur noch unterirdisch stattfinden. Eine etwas teure Art, den Autofahrern den Spass zu verderben (wer fährt schon gerne in Tunnels?) und höchstens dann sinnvoll, wenn bestehende Strassen eingehaust oder alte Strassen durch Tunnels ersetzt (nicht ergänzt!) werden. Auch mehr autofreie Tage wurden gewünscht und dass Autos am Stadtrand abgestellt werden müssen. Oder, ganz bescheiden zwar, aber für Velofahrende äusserst praktisch: Es braucht Duschen am Arbeitsplatz! Logisch, oder?
Paradiesisch wäre es, wenn der ÖV gratis wäre und Autos im ganzen Stadtgebiet nur noch 30 km/h fahren dürften. Was sagt da der Mantafahrer? «Da kann ich ja geradeso gut Velo fahren!» Ganz genau, das finden wir auch: «Auto parkieren, Velo frisieren!» Auch eine etwas anarchistische Variante zur Lösung der Verkehrsprobleme wurde vorgeschlagen: «Ali händ Vortritt!» Und, wer hätte das gedacht, viele Leute hatten als Vision schlicht und einfach: umverkehR :-).
 

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