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Vor gut besuchten Rängen fand am 17. März 2009 das erste Gespräch einer umverkehR-Veranstaltungsreihe statt, welche visionäre Verkehrspolitik zum Thema hat. Diskutiert haben Ruth Genner und Vittorio Lampugnani.
«Ich hatte eine Grossmutter, die fuhr einmal pro Jahr von Glarus nach Zürich. Sie war dann so nervös, dass sie schon in Thalwil am Ausgang stand und wenn sie wieder zuhause war, dann fragte sie sich, wieso man sich solche Strapazen antue. Die andere Grossmutter war genau das Gegenteil und reiste bis ins hohe Alter um die ganze Welt.» Mit diesen Worten eröffnete Susanne Brunner vom Radio DRS die Gesprächsrunde. Mobilität polarisiert seit jeher. Eine Gesellschaft ohne Mobilität ist heute jedoch undenkbar. Trotzdem müssen wir uns mehr denn je Grundsatzfragen stellen: Wie viel Mobilität verträgt unser Klima noch? Und wie durchbrechen wir den Teufelskreis von immer mehr und schnelleren Verkehrsmitteln? Diese und ähnliche Fragen wirft die verkehrspolitische Umweltorganisation umverkehR mit der neuen Veranstaltungsreihe «umverkehRt & abgefahren» auf.

Rund 80 Personen waren für die erste Gesprächsrunde mit Stadträtin Ruth Genner und Vittorio Lampugnani, Architekt und Professor für Geschichte des Städtebaus an der ETH in die Wirtschaft Neumarkt gekommen. Die ideale Stadt von Vittorio Lampugnani stammt aus dem Mittelalter oder der Renaissance: «Sie hat ein paar Plätze, schmale Strassen und ist dicht bebaut.» Das Paradebeispiel dieser fussgängerfreundlichen Stadt ist Venedig - autofrei und doch gut erschlossen. Ruth Genner betonte dagegen die Bedeutung von Grünraum zur Erholung. Als sie in der sehr dicht gebauten Berner Altstadt gewohnt habe, habe sie sich am Morgen manchmal nach dem Zwitschern eines Vogels gesehnt. «Bauliche Verdichtung ist schon nötig, aber auf einem qualitativ hohen Niveau.»
Lampugnani warf mehrfach die Frage der Zersiedlung auf. Die Peripherie müsse als Teil der Stadt angeschaut werden. Es sei eine falsche Politik, wenn sich das Pendeln finanziell lohnt. «Die Möglichkeiten der Pendlermobilität müssten eingeschränkt und gleichzeitig Anreize geschaffen werden, dass die Leute in den Zentren wohnen.» Dabei hinterfragte Lampugnani auch den Ausbau der S-Bahn. «Die S-Bahn trägt zur Landschaftszerstörung bei.» Genner entgegnete: «Wenn man sieht, was die Autobahn zerstört, so steht dies in keinem Verhältnis.» Weiter schlug sie vor, die Bauzonen ausserhalb der Stadt einzuschränken, wo sie nicht gut mit dem ÖV erschlossen sind.
Das Publikum hat eine anregende und unterhaltsame Diskussion miterlebt, bei der die Visionen leider etwas zu kurz kamen. Zahlreiche visionäre Ideen kamen zum Schluss von den ZuschauerInnen - z.B. ein generelles Tempo 30. Weiter wurde vorgeschlagen, mehr Gemeinden einzugemeinden, worauf ein anderer Zuhörer einen Stadtkanton Zürich forderte. Das Schlusszitat kam dann wieder von Lampugnani. «Ich habe mich amüsiert und viel gelernt. Mir wäre es aber wichtig, dass nicht zuerst der Verkehr geplant wird, sondern dass die Stadt geplant wird und dann geschaut wird, wie sie vom Verkehr bedient werden muss.»
Weitere Fotos von der ersten umverkehRt & abgefahren-Veranstaltung:



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