Luzern, 19.5.2006. Tram- und Stadtbahnen boomen: Während Luzern noch immer auf den Ausbau des Strassennetzes setzt und sich an schönster Lage vor dem Schweizerhof fast täglich die Autos stauen, wird ab dem 20. Mai 2006 auch die elsässische Agglomeration Mulhouse wieder zur Familie fortschrittlicher Tramstädte gehören.
Bereits jetzt gleiten in Mulhouse die flinken, gelben Tramzüge probehalber über das mit Rasen begrünte Gleisbett. Während die Behörden in Stadt und Kanton Luzern trotz breiter Kritik und prognositizierten exorbitanten Kosten noch von überdimensionierten Strassenprojekten wie Bypass oder Südzubringer träumen, sind die Stadtväter im elsässischen Mulhouse aktiv geworden: Am 20. Mai 2006 wird in der gut 170'000 Einwohner zählenden Agglomeration wieder offiziell eine Strassenbahn verkehren. In Mulhouse setzte sich die Erkenntnis durch, dass neue Strassen in aller Regel keine Verkehrsprobleme lösen. Auch auf sieben Spuren ausgebaute Achsen waren täglich mit Staus belastet. Das Tram hingegen wird zuverlässig voraussichtlich 90'000 Fahrgäste täglich am Stau vorbei an’s Ziel befördern. Längere Züge und dichtere Frequenzen können die Kapazitäten noch problemlos steigern. Das insgesamt 20 km lange neue Tramnetz wird 340 Mio. Euro kosten. Inbegriffen in diesem Preis sind das notwendige Rollmaterial, Depot, neue Signalisation und sogar eine neue Strassenraumgestaltung. Der Bau der neuen Strassenbahn ist mit 17 Mio. Euro pro Kilometer wesentlich günstiger als eine Stadtautobahn: Diese wäre in Mulhouse mit 30 Mio. Euro pro Kilometer beinahe doppelt so teuer. Das Projekt wird „Tram-Train“ genannt – aus gutem Grund. In einigen Jahren sollen die Tramlinien auch ans Netz der französischen Staatsbahnen angedockt werden. Dann werden dieselben Züge in der Region als S-Bahn und in der Stadt als normale Strassenbahn verkehren und so Fahrgäste aus der Agglomeration umsteigefrei direkt ins Geschäftszentrum von Mulhouse bringen. Eine Vision, die auch in Luzern umgesetzt werden könnte. Quelle: Komitee STATTautoBAHN
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