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Mobilitätskultur Zürich - ein Spagat PDF Drucken E-Mail
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Zürich, 8.7.2002. umverkehR begrüsst die Bemühungen des Stadtrates, beim Verkehr in der Stadt Zürich eine neue Mobilitätskultur anzustreben. Das vorliegende Sammelsurium an teilweise guten Ideen lässt allerdings neben dem Mangel an Visionen verschiedene Fragezeichen offen.

 

Einerseits sollen die zukunftsfähigen Verkehrsmittel gefördert werden, andererseits wird aber auch eine autoorientierte Entwicklung angestrebt, wie z.B. in Zürich-West. Diese beiden grundsätzlich nicht miteinander vereinbaren Richtungen werden vom Stadtrat noch einige Akrobatik abverlangen.
Indem der Zürcher Stadtrat nämlich versucht, je einen Fuss auf zwei völlig verschiedene Pferde zu setzen, wird er unweigerlich einen Spagat machen müssen, denn die beiden Pferde streben zwei völlig verschiedene Richtungen an. So beeinträchtigt der Autoverkehr schon jetzt Sicherheit und Attraktivität von Fuss- und Velowegnetzen und ein Ausbau des Strassennetzes konkurrenziert die Investitionen, die im Bereich des öffentlichen Verkehrs noch gemacht werden. Um nicht zu Fall zu kommen, wird der Stadtrat sich irgendwann für ein Pferd entscheiden müssen. Mann darf gespannt sein.

Notwendige Prioritäten fehlen
Wie Stadtrat Martin Waser richtig feststellt, ist der öffentliche Raum begrenzt. Um so wichtiger ist es daher, dass bei der Mobilität eine konsequente Priorität bei den effizienten, kostengünstigen und nicht zuletzt umweltfreundlichen Verkehrsträgern wie Fuss- und Veloverkehr, Bahn, Tram und Bus gesetzt wird. Wie krass die Unterschiede in der Effizienz der Verkehrsmittel sind, zeigt die Überlegung, dass ein Tram der Linie 14 mit rund 90 Sitzplätzen einer stehenden Autokolonne von über 500 m entspricht. Diese Prioritätensetzung fehlt aber in dem vorliegenden Konzept völlig.

Für den Westen nichts Neues
Eine diesbezüglich konsequente Haltung des Stadtrates wäre nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Strassenbaupläne des Kantones dringend notwendig. Mit der sich zur Zeit im Bau befindlichen Zürcher West-«Umfahrung» wird die seit Jahrzehnten versprochene Entlastung der Anwohner der Westtangente nämlich in keiner Weise erreicht. Die frei werdenden Kapazitäten werden vielmehr vom Zusatzverkehr, der durch die Nutzungsverdichtung von Züri West ensteht, vollumfänglich aufgebraucht. Der Stadtrat möchte in seiner Doppelstrategie u.a.«Schäden früherer Entwicklungen» beheben - er täte gut daran, erst gar keine neuen Schäden zu verursachen, etwa auch bei dem geplanten Waidhaldetunnel.

Der Zug fährt ab
Der Kreis 5 bietet die beste Gelegenheit, solche Visionen umzusetzen. Eine konsequente Prioritätensetzung der Verkehrserschliessung in Zürich West auf Bahn, Tram und Bus, kombiniert mit der Schaffung autofreier Quartiere würde den Ziel-/Quellverkehr nicht nur minimieren, sondern gleichzeitig den Anwohnern der Westtangente bei der Eröffnung der Westumfahrung auch die versprochene Entlastung bringen. Leider ist der Stadtrat bei Züri West auf dem besten Weg, den Zug abfahren zu lassen.
Im restlichen Kreis 5 wären die Quartierstrassen autoarm zu gestaltet, etwa indem die Parkplätze am Rand des Quartiers zusammen gefasst werden und der frei werdende Strassenraum nur noch für Anlieferung und Notfahrzeuge nutzbar wäre. Damit würde ein maximaler Schutz vor Parkplatzsuchverkehr und Mehrverkehr infolge des drohenden Westastes erreicht. Eine Umutzung von Strassenräumen bietet hier ausserdem die einzige Möglichkeit, fehlende Freiräume zu schaffen und so das Quartier aufzuwerten.

Fehlende Visionen
Bereits seit langem leben über 40% der Haushalte in der Stadt Zürich eine zukunftsfähige Mobilitätskultur vor - indem sie kein Auto besitzen. Sie gehen zu Fuss, nehmen das Velo, Bus oder Tram und nicht zuletzt sind viele von ihnen auch Mitglied bei Mobility - für die Fälle, wo das Auto wirklich auch einmal notwendig ist.
Diese Menschen leben zwar zufrieden, werden in der Öffentlichkeit aber nicht wahr genommen. Dies wäre Grund genug, auch Wohnraum in Form von autoarmen oder autofreien Quartieren zu schaffen. Während solche Projekte in Deutschland und anderswo wie Pilze aus dem Boden schiessen, werden in Zürich diesbezügliche Visionen leider vermisst.

 

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